Eine Idee

Lange hielt sich das Gerücht, der RV Treviris sei ein “Arbeiterverein”. Nach einigen glücklichen Funden und vielen Nachforschungen können wir heute sagen: Jain. Es war ein Verein, gegründet von Schulfreunden aus dem Gymnasialrudern, die jedoch den Rudersport einer breiten Menge zugänglich machen wollten. Vielerorts war das Rudern und auch die Rudervereine nur den gehobenen Gesellschaftschichten, und hier ganz überwiegend Männern, vorbehalten.

So waren es Freunde aus Schulzeiten am Trierer Friedrich- Wilhelm- Gymnasium (FWG), die bereits vor dem 1. Weltkrieg bei ihrer Schulleitung zur Gründung eines Schülerrudervereins vorstellig geworden waren. Wurde dies auch von einem ersten Rektor, den man im Pennälerjargon “Zeus” nannte, mit den Worten “jetzt wollen mir die Burschen auch noch ersaufen!” abgelehnt, hatte man bei seinem Nachfolger mehr Glück. Der Gymnasialruderverein F.W.G. war einer von drei Gymnasialrudervereinen in Trier. Ein erstes Heim fand man in der stillgelegten Malzfabrik des Vaters von Mitgründer Wilhelm Zangerle auf der Luxemburgerstraße.

Nach dem Krieg lebte die Idee einer Vereinsgründung unter den “Ehemaligen” wieder auf. Die Beratungen zur Satzung fanden in der in Trier lange bekannten Gaststätte “Zur Krim” statt. Man erlebte, noch unter dem Dach des Gymnasialrudervereins, fröhliche Zeiten. Der spätere Arzt Dr. Gießmann überlieferte, dass man vielfach, auch in Begleitung “höherer Töchter” zur Klosterschenke nach Pfalzel ruderte. Ein berichtenswertes Ereignis war auch die Wanderfahrt mit zwei Booten nach Bernkastel und Trarbach, auf der man in Niederemmel (Piesport) zunächst die Messe besuchte, dann den Pastor, einen Freund des begleitenden Studienrates. Hochwürden entflammte im Zuge des Essens eine glühende Liebe zum Rudersport und er bat, bis Trarbach mitgenommen werden zu dürfen. Nicht nur dass er selbst wohl reichlich schwergewichtig war und kaum in den Steuersitz passte: er stiftete zu alledem einen guten Vorrat an Messwein, so dass die Boote bald überladen waren. Nur durch sofortigen und vor Allem stetigen Verzehr der Weinflaschen konnte die Gefahr gebannt und die Wasserlage wieder verbessert werden.

Die Bilder zeigen die Gaststätte “Zur Krim”, einen Blick auf die Römerbrücke “nach der Ausfahrt” und einen Ausschnitt eines Sitzungsprotokolls samt Vorstandswechsel (Quellen: RVT, RVT, VR WIL)

Vor den 1910er Jahren war der Trierer Westen nicht besonders entwickelt. Nach der Sprengung der Römerbrücke im Jahr 1689 waren der Westen bzw. das eigenständige Dorf Pallien und Überbrücken sowie die Stadt nur noch per Fähre miteinander verbunden. Zu den vereinzelten Gebäuden gehörte neben dem ersten Trierer “Hauptbahnhof” das große Bahnhofsgebäude in der Luxemburgerstraße (“Trier links der Mosel”) (1860), die Malzfabrik Zangerle (Zangerlé) (1887), daneben das Holzwerk “Loewenstein & Sons”, dann entstand zunächst die Hornkaserne (1890), das Elektrizitätswerk, und weitere Kasernen. Das Bahnausbesserungswerk entstand 1908 bis 1911, kurz davor die Trierer Eisengießerei August Feuerstein in der Nachbarschaft des Bootshauses. Quer über das Gelände des heutigen Bootshauses verlief die Gemarkungsgrenze zu Euren, das erst 1930 eingemeindet wurde. Damit änderte sich die Hausnummer des RV von 26 in 63. Sankt Barbara war, wie Zurlauben, ein Fischerdorf, das bereits im Zuge der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der späten 1920er Jahre dem Bau eines Damms zum Opfer fiel, freilich erst, nachdem dort gerade erst eine Gleichstromleitung verlegt worden war. Ein Bild aus der “Sammlung Laven” beim Stadtarchiv Trier lässt erahnen, wie schnell das Dorf bei Hochwasser volllief. Zugleich zeigt ein Bild aus der “Sammlung Welter”, ebenfalls beim Stadtarchiv, an der Stelle etwa unseres Bootshauses überwiegend Kohlenlager, auf Höhe des heutigen Steges liegt die Militär- Schwimmanstalt. Die hatte weiter zu Tal gelegen, da jedoch die Luxemburgerstraße keine Kanalisierung hatte und alle Abwässer der Gerberein, Wohnhäuser, Holzwerke etc. direkt im Fluss landeten, entschloss man sich zum Umzug stromauf. Freilich blieben die zivilen Schwimmanstalten unterhalb der Römerbrücke liegen.

(Quellen: Stadtarchiv Trier)

Der Westen wuchs jedoch schnell, von 301 Einwohnerinnen und Einwohnern im Jahr 1867 auf 1722 im Jahr 1910. Die zunehmende Industrialisierung machte für viele Einwohner Medards und Löwenbrückens die Einreichtung einer Fähre von St. Barabara nach West sinnvoll; allein, sie fuhr Anfangs nur sehr unzuverlässig. In Trier herrschte ständige Wohnungsnot, so dass zwischen West und Euren auch Barackensiedlungen entstanden, die sich lange hielten.

Gründerjahre

Die Gründung des Vereins war ein Wagnis. Die Nachwirkungen des Krieges waren hart, Mangelernährung, Viehseuchen und Missernten prägten die Zeit in Trier: der amerikanische Befehlshaber Pershing verbot seinen Soldaten zeitweise, in Trierer Lokalen zu speisen, um der Trierer Bürgerschaft nichts zu nehmen. Zudem war durch den Wegfall des sogenannten “Saargebietes” und Elsass- Lothringens Trier nicht nur seiner wichtigsten Handelspartner beraubt, sondern auch zur Grenzstadt geworden. Möglicherweise erschließt sich hieraus die große Anzahl an Zollbeamten in den Reihen der Gründer: Trier konnte wenig bieten, die Quellen besagen, dass junge Menschen vielfach “nach größeren Handelsplätzen strebten” – wer also nicht Arzt oder Anwalt war oder ein Familiengeschäft führen konnte, verließ die Stadt, soweit er es sich leisten konnte (hier ist nach wie vor überwiegend von Männern die Rede, denn die Emanzipation steckte höchstens in den Kinderschuhen). Oder er ging zum Zoll, denn Personal war dort gesucht und die Personalstärke der Armee begrenzt. Zudem gab es innere Unruhen und gar separatistische Bestrebungen der besetzten Gebiete. Bald rückte die französische Armee als Besatzungsmacht mit 14.000 Soldaten in Trier ein, was bedeutete, dass auch im Trierer Westen weitere Kasernen entstanden und überall in der Stadt, auch in Teilen der Luxemburgerstraße, französische Offiziere zwangseinquartiert wurden; die allgemeine Trierer Wohnungsnot verschlimmerte sich umso mehr.

Auch im Kleinen schienen die Schwierigkeiten zunächst unüberwindlich: man hatte kein Bootshaus, kein Bootsmaterial und kaum Geld. Es half der Zufall: der Arzt Leo Weiler fand auf einem Kohlenlager knapp unterhalb der Römerbrücke ein altes, fast nur halbseitig erhaltenes Boot, von dem niemand sagen konnte, ob es einmal Einer oder Zweier gewesen war, angespült vor und die herbeigerufenen Gießmann, Zanglere und Brüder Wilhelm und Friedrich Ronde entschlossen sich, es auf einen Versuch ankommen zu lassen.

1. Bootstaufe der “Hoffnung” 1921, Quelle: RVT

Im Juni 1921 sind uns die Gründer von Arnim, Dr. Blaess, Felbecker, Giesmann, Haas, Hadey, Krieg, Lucas, Newel, Plötz, Fritz und Wilhelm Ronde, Dr. Saynisch, Seiwert, Tarnowsky, Dr. Weiler und Dr. Zangerle bekannt. Die Gründungsversammlung wählte Rechtsanwalt Dr. Blaess zum 1. Vorsitzenden. In den Protokollen zum Entwurf der Satzung sind weitere Namen bekannt, so z.B. der Rechtsanwalt Abarahm Hugo Schneider, von dem noch die Rede sein wird.

Haussuche

Man war also vorerst wieder beim Gymnasialruderverein F.W.G. eingezogen und betätigte sich im Gegenzug als Ausbilder für die Schüler des FWG. Als das erste Boot fertig restauriert war, wurde es vielsagend auf den Namen “Hoffnung” getauft. Diese Hoffnung trug bald Früchte.

Gemeinsam gelang es, im Erdgeschoss der Malzfabrik eine leidlich brauchbare Bootshalle und im ersten Geschoss eine gemütliche Kneipe einzurichten. Die Kneipe jedoch genügte, wie Akten der Baupolizei zeigen, keinerlei Brandschutzvorschriften und musste für größere Festivitäten jeweils nach persönlicher Vorsprache beim Bürgermeister durch diesen freigegeben werden. So verlegte man sich auch für die ersten Stiftungsfeste in bekannte Trierer Hotels, ins “Casino”, ins “Café Bauer” und das damalige Vereinshaus “Treviris”, wo der auf Dr. Blaeß folgende Vorsitzende Arzt Dr. Saynisch herausragende Feste organisierte. In selbstverfassten Liedern wurde “Treviris solze Wehr” besungen, aber auch augenzwinkernd, dass im Bootshaus jede Schraube ihren Platz habe sowie jeder, der ein Boot fordere, dies auch bekomme: es hat sich also in nun über einhundert Jahren nichts geändert. Das gemeinschaftliche Singen und Musizieren kam nicht zu kurz.

Bemerkenswert: die Flasche Bordeaux “Saint- Estèphe” (das Weingut wird nicht genannt) war auf diesen Festen deutlich günstiger zu erwerben, als heimischer Riesling z.B. des Weingutes “Van Volxem”, was nicht nur an der herausragenden Qualität des Rieslings zu der Zeit lag, sondern auch an der rigiden französischen Zollpolitik der Zeit. Es half womöglich, dass der Mitgründer Wilhelm Ronde Geschäftsführer der “Grenzsektkellerei Mercier” (ebenfalls in der Luxemburgerstraße) war: Mercier (heute unter dem Dach “Moët Hennessy Louis Vuitton”) besaß damals noch die Rechte an der Marke “Dom Pérignon” und hatte auf dem Luxemburger Hauptbahnhof ein eigenes Gleis zum Import seiner Waren in das Gebiet des “Deutschen Zollvereins”.

Bald konnten neue Boote erworben und getauft werden, nicht alle waren Wunschkäufe, wie sich zeigen wird.

Erste Erfolge

1923 folgten richtungweisende Ereignisse. Nicht nur, dass dem noch mit Kastendollen ausgestatteten Vierer “Iltis” bei einem Rennen der vordere Bugkasten volllief. 100 Meter vor dem Ziel, weit in Führung liegend, sank das Boot und Mitruderer Otto Ronde (der spätere “Onkel Otto”) brachte als Nichtschwimmer zuerst ein “Hipp Hipp Hurra” auf die Treviris aus, eher er sich retten ließ. Im Juli des Jahres konnte die als “Schillings- Vierer” bekannt gewordene Mannschaft erstmals einen Sieg (auf der Siebengebirgsregatta in Bad Godesberg) einfahren. Der Familie Schillings gilt nicht nur Dank für diesen Sieg, sondern auch dafür, dass sie mit über all die Jahre erhaltenem Bildmaterial diese Vereinsgeschichte überhaupt erst möglich gemacht hat.

Der “Schillings- Vierer” wurde eine regional bekannte “Marke” im Rennrudersport und legte den Grundstein für den später auf Regattaplätzen gebräuchlichen Begriff der “grünen Gefahr” (in Anlehnung an den grünen Stern der Treviris). Bald fanden sich neue Mannschaften und es trat ein, was die Gründer sich vorgenommen hatten: der Rudersport in Trier wurde gewissermaßen durchlässig, es fanden sich Bäckermeister, Kaufleute, (Bank-) Angestellte und Handwerker unter den Mitgliedern: wenn nicht als aktive Ruderer, so doch zumindest als Förderer des Nachwuchses. Langjähriger Bootswart war zum Beispiel Andreas Clauß, der als Tischlermeister und Unternehmer auf der Simeonstraße eine gutgehende “Möbelfabrik” hatte; Arthur Tarnowksi betrieb auf der “Sim 31” eine Drogerie. Aufgrund der Lage fanden sich auch viele Herren und Familien aus südlichen oder (soweit vorhanden) westlichen Stadtteilen im Verein ein, z.B. Apotheker, Kleinunternehmer, Kaufleute, Weinhändler oder Essigfabrikanten (z.B. “Voss Essig”), mögliche Eintrittshürden beim anderen Trierer Ruderverein, der älteren Rudergesellschaft, taten wohl ihr Übriges. Die Fertigstellung des Bootshauses der Gymnasialrudervereine (heute Bootshaus der Trierer Kanufahrer) indes verzögerte sich immer weiter, so dass die Platzsituation nur durch behelfsmäßige Anbauten am ohnehin unpraktischen Bootshaus gelöst werden konnte: der Bau des Schülerbootshauses lässt sich nach Aktenlage mit dem Bau des heutigen Berliner Flughafens vergleichen. Wohl aufgrund der wirtschaftlich unsicheren Lage wurde auch ein bereits geplanter Umzug des Rudervereins Treviris in den Stadtteil Zurmayen (Zurmaien) neben das Schülerbootshaus und die Rudergesellschaft Trier (auf das heutige Gelände der Jugendherberge) verworfen, obwohl sich dort quasi vor der Haustür damals die vielgenutzte Trierer Regattastrecke befand.

Die Bilder zeigen zum einen den Schillings- Vierer und im Hintergrund das RVT- Bootshaus, die Malzfabrik; zum anderen die “ewigen Jungmannen”, die sich für den RVT in beachtenswerter Kleidervielfalt ins Renngeschehen stürzten (Quelle: RVT)

Vereinsleben

“Die Treviris” hatte sich in der Luxemburgerstraße etabliert, die zunehmend wuchs. Auch die Mosel musste man sich nicht nur mit den Ruderern der “RGT” teilen, sondern auch mit “Paddlern”: knapp oberhalb der Römerbrücke befand sich das DKV-Kanuheim von Hans Dornoff, verschiedene Paddlervereine und -gilden boten Anlegen, Festmachen und Übernachtungen an, so fand sich direkt neben dem Bootshaus Treviris ein Paddlerheim, die heutigen Trierer Kanufahrer hatten wohl einen Bootsschuppen stromaufwärts in Medard. Zudem wird in Flussatlanten für Paddler die Mosel als “schnell verkrautend” bezeichnet, die tägliche Bootswäsche empfohlen. Letzteres hat sich bis heute nicht geändert. Selbst ein Segelschiff ist auf alten Bildern immer vor Anker, wohingegen die kommerzielle Schifffahrt mangels Ausbaus des Flusses vergleichsweise gering war.

Die Eignung der Trierer Mosel für Regatten bewog den Kölner Regattaverband dazu, seine Wettkämpfe in Kooperation mit dem Mosel- Saar- Regattaverband auszutragen, der seinserseits durch die (nun französischen) Rudervereine in Metz und Thionville geschmälert war. Die beiden Trier Vereine arbeiteten trotz aller Konkurrenz in der Sache als Veranstalter erfolgreich zusammen: Trier war dazu angelegt, eine “Ruderhauptstadt” des deutschen Reiches zu werden. Dies sollte sogar durch die Errichtung eines weithin sichtbaren Fahnenmastes des Trierer (bzw. Mosel-) Regattaverbandes auf dem Hautmarkt manifestiert werden: ob es dazu kam, ist heute offen. Wiewohl die Vereine in der Politik gut vernetzt waren und der Rudersport damals Idealen von Stärke, Siegeswillen und Wehrhaftigkeit dienen sollte, monierte die lokale Presse doch immer wieder das mangelnde Interesse des Trierer Bürgertums an “seiner” Regatta, obwohl die Regatten damals durchaus eine gesellschaftliche Veranstaltung waren: die heimischen Einheiten der Armee richteten nicht nur den Regattaplatz her, auch spielten die jeweiligen Regimentskapellen auf und die Plätze auf der Tribüne auf Höhe des heutigen Biewerer Sporplatzes (wo allerdings wohl zugleich ein Turnierplatz für Reitturniere lag) waren gut besetzt, ebenso wie die “billigen Plätze” auf der der Stadt zugewandten Seite nahe des heutigen Verteilerkreises und der Schiffswerft. Führendes Treviris- Boot war zu der Zeit der Vierer Meter, Dahm, Dumont, Schreiner, Stm. Schwermer.

Der RV Treviris konnte im Rahmen der Regatten mehrere Erfolge einfahren, unter anderem die begehrte “Hindenburg- Plakette” erringen. Auch wurde vielfach das Ausfahren eines „Stadtachters“ gefordert, was mangels verfügbarer Mannschaften nicht in jedem Jahr stattfand. Das untere Bild zeigt den „siegreichen Stadtachter des RV Treviris“, so der TV, Ender der zwanziger Jahre in der Besetzung Karl, Hubert, Günther Pfeiffer, Franz Schillings, Stm. J. Barth, Koch, Heini Ros, Jakob Meter, Karl Schmidt

Die Bilder zeigen den “siegreichen Stadtachter”, die Kooperation bei Regatten und den Zielbereich der Regattastrecke Biewer. (Quellen: RVT, RVT, Stadtarchiv Trier)

Auch am Bootshaus konnte man es sich zwischenzeitlich gutgehen lassen. Kaum zu glauben, dass der Längste am Boot, Dr. Jäger, mit Krawatte als Steuermann einstieg. SMS: Steuern mit Stil. (Quellen: RVT)

Drittes Reich und Zerstörung

1933 erfolgte die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Viele (persönliche) Dokumente haben sich aus der Zeit nicht überliefert, einiges kann schlüssig nachvollzogen werden.

Der bereits seit 1930 als Vorsitzender gewählte Eduard Hadey wurde, dem “Führergedanken” folgend, verpflichtend zum “Vereinsführer”. Am 25.10.1933 kam es zur Hauptversammlung. “Der 1. Vorsitzende Herr Hadey eröffnet die erste Jahreshauptversammlung im neuen Reiche gegen 8 3/4 Uhr mit einem dreifachen ‘Sieg Heil’ auf unseren Führer Adolf Hitler”…so das Protokoll. Er wird denn auch formell zum Vereinsführer gewählt und verpflichtet sich, den Verein “im Sinne der Volksgemeinschaft, in treuer Gefolgschaft Adolf Hitlers zu leiten”. Spätestens hier stellt sich die Frage, wie es jüdischen Gründungsmitgliedern erging, von denen wir heute nichts Genaues wissen. Der oben erwähnte Anwalt Hugo Abraham Schneider jedoch, der mindestens an der ersten Vereinssatzung mitarbeitete, war Jude und wohnte in der Eberhardstraße, ebenso wie sein Nachbar, der seiner Profession entsprechend wohl fast fassförmige Weinhändler Luca, der als Gründungsmitglied verbrieft ist. Hugo Schneider war bereits 1930 jung verstorben; seine Familie jedoch, wohlhabende Inhaber eines Gerbereibetriebs, wurden in der Pogromnacht vom Pöbel krankenhausreif geprügelt, der Betrieb später “arisiert” und alle Familienmitglieder, der jüngste Sohn 14 Jahre alt, in verschiedene Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet.

Es ist davon auszugehen, dass der Verein anteilig auch jüdische Mitglieder hatte: unter den aufzufindenden Namen finden sich solche, die bisher nicht genau zugeordnet werden können. Wie der Umgang war und ob er sich verschlechterte, ist unbekannt. Jedoch stand diese nationalsozialistische Ideologie im krassen Gegensatz zu Allem, was die Gründerväter sich auf die Fahnen geschrieben hatten. Mitruderer, die ebenso Schweiß unter dem grünen Stern vergossen und Siege gefeiert wie Niederlagen betrauert hatten, wurden ausgegrenzt und die Mitgliedschaft bald verboten.

Die Bootsbeflaggung aus den 1930er- Jahren verträgt sich untereinander ideologisch nicht, trotzdem zeigt Protokollausschnitt eine willfährige Übernahme der Vorgaben. Auch auf Regatten herrrschte kein fröhliches Treiben mehr.  (Quellen: RVT, VR WIL, RVT)

Beileibe war die Treviris nicht allein: andere Sportverbände hatten bereits vor der Machtergreifung fertige Pläne zum Ausschluss von Mitbürgerinnen und Mitbürgern jüdischen Glaubens in der Schublade liegen, sofern diese nicht sowieso eigene Vereine gegründet hatten. Bei der Treviris kam es sogar zu Ärger, der jedoch einer Posse entsprang – ein Akt des Widerstands war es nicht: Im Jahr 1937 gab es immer noch keine Satzung, die den seit 1933 eigentlich vorgeschriebenen, sogenannten “Arierparagraphen” ohne Schlupflöcher formulierte. So legte der Oberbürgermeister bzw. seine Behörde Einspruch gegen die Treviris- Satzung ein, bis sich herausstellte, dass in dieser Zeit vorauseilenden Gehorsams oder der Anbiederei der “Reichsbund für Leibesübungen” eigene Satzungsformulare herausgegeben hatte, die sich mit den Vorstellungen der Polizeibehörde nicht deckte, dabei ging es um die Worte: “auch nicht” statt “noch”. Nach Aufklärung durch den “Gaufachamtsleiter für Rudern im Gau XI (Mittelrhein)” wurde die Satzung dann akzeptiert.

Sportlich ging es weiter voran: Jakob (“Köbes”) Meter war nicht nur als Ruderer aktiv, sondern auch als Übungsleiter. 1936 nahm er an einem Ruderlehrerlehrgang bei Hugo Borrmann in Berlin teil, der die sogenannte “Ganzheitsmethode” lehrte. Kaum zu glauben: vielfach war die Ruderbewegung nach den Lehren des Engländers Woodgate in ihre Einzelteile zerlegt und separat ständig wiederholt worden. Borrmann hatte das Buch “Die Kunst des Ruderns” herausgegeben und regte an, den Stil einheitlich zu vermitteln. In der lokalen Trierer Presse war noch im gleichen Jahr, vor dem Hintergrund ausbleibender einheimischer Erfolge, insbesondere der Achter der RGT kritisiert worden, dort würden in einem Boot drei verschiedene Stile gerudert. Borrmann förderte gleichzeitig das Rennrudern für Frauen – freilich mit dem weiblichen Körper baulich anzupassenden Booten. Auch die Nationalsozialisten förderten Frauensport, natürlich kaum vor dem Hintergrund der Emanzipation. Durch Monotonie häuslicher Arbeiten hervorgerufene Hüft- Rücken- und Gelenksbeschwerden (“Hausfrauenleiden”) sorgten die Nationalsozialisten: Man sah nicht die Frau, sondern die Mutter und damit den von ihr zu gebärenden starken Kriegernachwuchs in Gefahr.

Wie sehr sich die Nationalsozialisten vor den Vereinen trotz Gleichschaltung fürchteten, sie aber auch mit ihrer Ideologie durchdrangen, zeigte sich auch auf den Regatten: Hatten bisher z.B. die “Einundsechziger” gespielt, die Kapelle eines lokalen Regiments; nun war es plötzlich eine Kapelle der SA. Zudem stellte die SA den “Ordnungsdienst”: Eine Dienstleistung, von deren Notwendigkeit in keinem vorherigen Bericht je die Rede war, insbesondere bei der stets monierten zu geringen Anteilnahme durch die Bürgerschaft. “Röhms Schlägertruppe”, die Art feine Leute, die das Haus der Familie Schneider verwüstet und die Einwohner krankenhausreif geprügelt hatten, als “Aufpasser”… So war zumindest die Anwesehnheit der jeweiligen Farben und Symbole gesichert.

Die Bilder zeigen zum einen die recht modische und fidele RVT Damenriege, zum anderen die vereinheitlichten Einteiler um die Mannschaft Ehm, Feltes, Claus (v.l.) die Ärger bekam, weil sie einen grünen Stern dazu nähte (Quellen: RVT, HC Claus)

Ob dies der Anlass war, sei dahingestellt: als sich jedoch 1936 eine Treviris Damenriege gründete, bekam der Verein auf einen Schlag 25 junge Damen hinzu, freilich erst mal ein obligatorisches Probejahr, wie die männlichen Neu- Mitglieder auch. Die “Partnervermittlung Treviris” war eröffnet, und sie hat bis heute Bestand. Bis dahin hatte lediglich Magda Engert, Frau des späteren Vorsitzenden Ernst Engert, ohne zu rudern den Papierkram geschmissen.

Die Zeiten starker Mitgliederzahlen – die Treviris hatte vor der Wirtschaftskrise bald an die 400 Mitglieder gehabt – waren vorbei, zudem wurde die Konkurrenz insbesondere durch nationalsozialistische Jugendorganisationen größer. So kam es, dass ein Trainer der Rudergesellschaft in der lokalen Presse die Ansicht äußerte, der kleinere RV Treviris könne allein wirtschaftlich gar nicht überleben und solle sich doch mit der RGT zusammentun. Ebenso in der Presse sah sich der RVT- Vorsitzende Hadey zur Klarstellung genötigt: Zwischen den Vorständen beider Vereine herrsche Einvernehmen, was das angehe, zudem sei der RV Treviris gegründet worden, weil man “Kollegialität statt Exklusivität wollte”, was den RVT- Gründungsmythos bestätigt. So wurden etwaige Zusammenschlüsse in fast jedem Jahrzehnt der Konkurrenz aufs Tapet gehoben, jedoch hier wie dort durch die Mitglieder abgelehnt. Der Trierer Stadtachter war, mit unterschiedlichem Ausgang, ein oftmals öffentlich gefordertes Ereignis. Hadey muss zugutegehalten werden, dass der Verein wirtschaftlich solide geführt wurde, auch unter Inkaufnahme dessen, dass in einzelnen Saisons keine Rennmannschaften kostspielig an den Start geschickt wurden.

Mehrfach wurde das Rudergebiet aufgeteilt und schließlich in den Gau “Moselland” umbenannt, bei der Hitlerjugend war es der “Bann 69”. Auch die Vereinsfarben gab es in der Form nicht mehr. Ärger gab es, weil sich junge Treviris- Mannschaften auf den Hakenkreuz- Einteiler regelwidrig einen grünen Stern nähten.

Die Trainerarbeit Jakob Meters zeigte sich vor Allem, als 1937 bei der Trierer Regatta der Vierer Meter, Kowollik, Beckmann, Torner mit Stm. Barth den hervorragenden Vierer der Union Nautique Bruxelles schlagen konnte.

Der Kriegsausbruch beendete die erfolgreichen Jahre, da viele aktive Sportler eingezogen wurden und auch nach dem Krieg nicht zurückkamen. So musste die noch vorhandene Jugend ran. Im Jahr 1943 gelang es dem Vierer und dem Achter der Treviris, Gebietsmeister im Rhein- Mosel- Gebiet zu werden, der Achter startete in der Besetzung Mentges, Lux, Schuch, Sterk, Feltes, Lochner, Weiland, H. Müller mit Steuermann B. Engert. Mit diesem Sieg durfte der Treviris- Achter bei den deutschen Jugendmeisterschaften, in dem Jahr in Wien ausgetragen, starten. Jedoch wurde kurz vorher die Hälfte der Mannschaft eingezogen und man musste mit Ersatzleuten starten. Hanskarl Claus war einer dieser Ruderer und erinnert sich, dass Trainer Meter ihnen zu ihrem Gram das Besteigen des Stephansdoms verbot: die dadurch gesparte Kraft konnte die uneingefahrene Mannschaft immerhin in einen guten 6. Platz in einem 13- Boote- Feld ummünzen. Auch im Jahr 1944 konnte erneut die Gebietsmeisterschaft im Vierer und Achter, sowie kurz darauf der 50. Regattasieg der Treviris errungen werden. Jedoch lief schon alles auf das Unvermeidliche hinaus: bei den Bombenangriffen auf Trier im Dezember 1944 wurde das Bootshaus stärkstens beschädigt, Artilleriebeschuss vor der Einnahme Triers mag ein Übriges getan haben. Der Vorsitzende Hadey war in den Wirren der letzten Kriegstage umgekommen, der 18 Boote umfassende Bootspark war zerstört, der hochgewachsene Hanscarl Claus war bei seiner Gefangennahme in einem derart erbarmungswürdigen Gesundheitszustand, dass er selbst von der Roten Armee entlassen wurde und nach einer mehrwöchigen Odyssee wieder nach Trier gelangte.

Der Ausgang des “tausendjährigen Reiches” ist bekannt: Millionen Tote, zerstörte Städte und ein zerstörtes RVT- Bootshaus. Die Bilder zeigen unser Ruderrevier in den späten 1920ern (bei der Hohenzollernstraße endet im Prinzip die Bebauung), ein Luftbild beim Überflug über Trier Süd, ganz rechts im Bild die Einmündung Hohenzollernstraße sowie ein Bild des zerstörten Uferbereichs mit dem alten, abgedeckten RVT- Bootshaus, mit zerstörtem Trockenturm (weißer Fleck), der Firma August Feuerstein und dem heutigen Areal auf der linken Seite mit einigen Bombenkratern. (Quellen: AK Archiv E. Mettlach, Trier; Stadtarchiv Trier; Luftbilddatenbank Dr. Karls)

Neuanfang

Nach dem Krieg war es zunächst J. Meter, der per Aushang an der Tür des zerstörten Bootshauses Mitglieder aufforderte, sich zu melden. Zudem setzte er sich mit dem Vorsitzenden der RGT, Dr. Jäger, in Verbindung, um die zukünftige Entwicklung zu besprechen. Eines dieser Treffen ging derart über die verhängte Sperrstunde hinaus, dass er bei den Schwestern im Sankt Josefsstift Unterschlupf suchen musste.

Zunächst wurde die Wiederaufnahme von Vereinstätigkeiten durch die Alliierten aus verständlichen Gründen untersagt, doch wurde das Verbot im Jahr 1946 soweit gelockert, dass zumindest der Antrag auf Genehmigung zu einer Versammlung zur Neugründung gestellt werden konnte. Erst am 19.11.1947 konnte dann die von 62 Mitgliedern und 15 Gästen besuchte Gründungsversammlung abgehalten werden, in der Andreas Lutz zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde, dem es gelungen war, die französische Verwaltung von der Unbedenklichkeit der “soicété de’l aviron Treviris 1921” zu überzeugen.

Nach wie vor war jedoch nichts vorhanden, was die Ausübung des Rudersports möglich machte: Hier taten sich die Freunde der Cochemer RG hervor, die die Treviris- Ruderer bei sich trainieren ließen. Dies bedeutete eine meist unzuverlässige und dann mehrstündige Bahnreise zum Training, die die Sportler damals auf sich nahmen. 1948 stellte zunächst der Bernkasteler Ruderverein mehrere Gigboote, dann auch der RC Traben- Trarbach einen Rennvierer in vorbildlich sportlicher Manier leihweise zur Verfügung. Mit dem Sieg des Achters bei der Siebengebirgsregatta in Godesberg hatte der Verein quasi seinen zweiten Gründungserfolg, 25 Jahre nach dem Ersten. Mit dem Gewinn des Moselvierers und weiterer Siege war der alte Elan vollends wiederhergestellt. Zunächst musste man jedoch in einem alten Lattenverschlag am Trierer Nordbad unterkommen, der keinerlei Komfort, zumal nicht für Landtraining oder gar eine Heizung enthielt. Es gelang jedoch, eine Halle des ehemaligen Kanuvereins der Reichsbahn, vormals eine Rollladenfabrik, zu mieten und im gleichen Jahr zu kaufen. Erst mit der Planung des dann dritten Neubaus des Bootshauses an gleicher Stelle im Jahr 2021 offenbarte sich eine Vielzahl unterschiedlicher Grundstücksrechte an der Stelle, so z.B. einer ca. 10 Quadratmeter großen Fläche mitten auf dem Waschplatz, die in Erbpacht von der Stadt überlassen war.

Der Treviris- Achter geht erneut erfolgreich (samt geliehenem Boot) an den Start bei der Siebengebirgsregatta (Quelle: RVT, HC Claus)

Unter der Führung des neuen Vorsitzenden Ernst Engert und des Vereinsmitglieds und Architekten H. Müller konnte ein erster Bauabschnitt in Angriff genommen werden, an dem sich viele Mitglieder durch Mitarbeit und Spenden aktiv beteiligten: bald konnte die Bootshalle den Bootspark aus sechs (geliehenen) Einheiten aufnehmen.

Das einzige eigene Boot, das die Kriegsschäden überlebt hatte, war ein ungemein massiver A- Vierer, der nach Restaurierung im gleichen Jahr durch den Oberbürgermeister Kemper auf den Namen “Treviris” getauft werden konnte. Leider fiel er bald darauf, verliehen an eine auswärtige Altherrenmannschaft, dieser zum Opfer. Nach Art des “fröhlichen Steuermanns”, der auf einem in Neumagen gefundenen römischen Relief weinselig lächelnd sein Ohr an eines der auf seinem Schiff zu transportierenden Weinfässer legt, steuerten sie ihn auf eine Stahltrosse, die das Boot quer zerschnitt. Nach erneuter Restaurierung wurde das Boot, der Name Treviris war inzwischen an einen neu beschafften B- Vierer vergeben, auf den bedeutungsvollen Namen “Kehrwieder” getauft. Die Mannschaft der ersten Jahre waren Haller, Eckes, Claus, Heintzkill, Ehm, Müller, Feltes, Biersack und Steuermann B. Engert.

Die erste Taufe durch OB Reuter konnte ohne Haus nur unter freiem Himmel stattfinden. Bald darauf ging es an die Renovierung der ersten “neuen Bootshalle” (Quellen: RVT/ HcC und Hans Press)

Bald konnten zwei Rennvierer und ein A- Vierer beschafft werden, die Bootshalle platzte aus allen Nähten. Da sich nun neben der Mannschaft um Rudi Biersack auch eine junge Mannschaft aus Hans Press, Hubert Schillings, Günther Schermack, Matthias Haag und Steuermann Hermann Thul, bildete, die wenig später als “Press- Vierer” die überregionalen Regattaplätze beherrschen sollte, kam nach mehreren Erfolgen der Wunsch nach einem Achter auf. Die Anschaffung erforderte zunächst den Ausbau der Bootshalle in einem zweiten Schritt. Erneut wurde mit viel Eigenanteil zu Werke gegangen und schließlich der Achter “Moselland”, zwei B- Doppelzweier “Koralle” und “Saar” sowie der Vierer “Grenzland” beschafft.

Das Bootshaus war nicht mehr als eine einfache Halle, die jedoch offensichtlich ziemlich stolz und lässig machte, wie die Mannen um Johann Zimmer (li.) zeigen. Zugleich wurde zur Regatta auf den freien Flächen der Sattelplatz aufgeschlagen (Quelle: Manuela Gard (MG))

In den Jahren 53 und 54 wurden vor allem durch den von J. Meter trainierten “Press- Vierer” und den von F. Schillings trainierten Damen- Vierer in der Besetzung Giloy, Thul, Ronde und Bechtel mit Stf. Baum 23 Siege und damit auch der 50. Nachkriegs- Sieg der Treviris eingefahren. Zugleich wurde die Erweiterung des Bootshauses, bis dahin bloße Halle, mit Obergeschoss, Gestronomie und Kegelbahn fertiggestellt. Wiederum kam es im Anschluss zu einer “Normalisierung” dieser für einen mittelgroßen Verein außergewöhnlichen Leistungen, weil viele Leistungsruderer beruflich eingespannt waren oder gar Trier ganz verließen und durch den Krieg eine Generation Ruderer zahlenmäßig stark geschwächt war. So war die jüngere Generation gefordert, die sich der Sache glücklicherweise mit großem Elan annahm. Hinzu kam, dass die Mosel ab Mitte der 1950er Jahre zur Wasserschifffahrtsstraße ausgebaut wurde, was den Ruderbetrieb zeitweise gar unmöglich machte.

1958 wurden Inge Kockelmann (verh. Weber), Barbara Kockelmann, Jutta Kowollik, Inge Würtzner und Stf. Ingrid Wirtz (verh. Deutsch) Vereinsmeisterinnen. Bei den internen Regatten herrschte reger Andrang; zu sehen ist auch die Barbelner Fähre, die – zu erkennen am Mast am gegenüberliegenden Ufer – endlich zur Hochseilfähre geworden war, war sie doch vorher eine “Schlauder”, die mit knapp über dem Wasser hängenden Seilen getreidelt wurde. Nach wechselvoller Geschichte verlor sie mit Bau der Konrad- Adenauer- Brücke endgültig ihre Berechtigung. Das Bootshaus stand mittlerweile in vollem Glanz. Kaum zu glauben: in der Bootshalle befand sich sogar ein Ruderbecken für Zweier ohne Steuermann. (Quellen: RVT/ Inge Weber (IW), Hans Press (HP)).

1960 übernahm mit Günther Herrig ein erfahrener Trainer die Leitung und er konnte sogleich mit dem Vierer Biesdorf, Krisch, Otting, Molitor und Stm. Pfeiffer ein schlagkräftiges Boot aufzubauen, das einige nennenswerte Siege einfuhr. Bald darauf kam der erfolgreiche ehemalige Jungmann- Vierer Lindner, Krisch, Böttger, Thrun und Stm. Hoffmann hinzu, der nun in der Seniorenklasse einige erste Siege herausfahren konnte und erstmals auch Regatten in Frankreich besuchte. Übrigens besteht nur eine undeutliche Erinnerung daran, ob sich das langsam zur Freundschaft entwickelnde Verhältnis zu den französischen Besatzungssoldaten auch in der Treviris zeigte: es soll einen französischen Leutnant gegeben haben, der regelmäßig mittrainierte – der Name wird, falls überhaupt, erst nach Durchforsten alter Mitgliederverzeichnisse gefunden werden können.

Wie immer war das Geld knapp, da kam beim Bau der Trierer Staustufe den Junioren eine rettende Idee: zum Kauf neuer Boote wollte man beitragen, indem man auf der Baustelle der Staustufe, wohlgemerkt erst nach der Fertigstellung, unter der Leitung des “alten Herrn” Klaus Kockelmann Schrott sammelte und verkaufte. Dieses Unterfangen weckte sogar das Interesse der FISA, die darüber einen Film drehte. Eine Archivsuche wurde uns durch die FISA zugesagt, wartetet aber seither auf ein Ergebnis. Der Erlös der Aktion war jedoch herausragend: es wurden ein Renndoppelzweier und ein C- Einer angeschafft, die man in Anlehnung an die Aktion “Staubschlucker” und “Schweißperle” nannte. Die “Schweißperle” gibt es dank liebevoller regelmäßiger Pflege noch und sie leistet treue Dienste in der Anfängerausbildung. Möge ihr so vor dem Hintergrund ihrer mittlerweile eigenen über 60-jährigen Geschichte weiterhin unsere Zuneigung und ein langes Leben beschert sein.

Der durch diese Aktion geförderte Zusammenhalt äußerte sich in der Folge in vielen Wanderfahrten, die während des Moselausbaus zu kurz gekommen waren. Noch verbessert wurde die Mobilität durch die Anschaffung eines Bootshängers – bis dahin wurden Mannschaften wie Boote oftmals per Bahn(!) transportiert und mussten dann zum Einsetzunkt per Pferdefuhrwerk eines lokalen Landwirts oder gar getragen werden. Hinzu kam wenig später der recht abenteuerliche Erwerb eines alten Hanomag- LKW der Bereitschaftspolizei durch Franz Schillings und Detlev Böttger, der liebevoll “Molli” getauft wurde. Die Reisegeschwindigkeit inklusive Hänger ist der Erwähnung nicht wert, ansonsten half der dem Verein sehr Verbundene Karl Grundheber, Eigentümer des “Trier West Eisenhandels” mit seinen kaum schnelleren, schweren Sattelschleppern aus: das Eintreffen der RVT- Boote auf den Regattaplätzen muss ein ziemliches Spektakel gewesen sein.

Einschiffig, aber mit Obergeschoss und gern genutzer Terasse: Das Bootshaus Ende der 1950er Jahre. Auf Regatten und Wanderfahrten wurde man mehr oder weniger komfortabel teils mit Sattelschleppern gebracht. Unter anderem ruderte die Mannschaft um Karl- Heinz Biesdorf (ganz links) sehr erfolgreich (Quellen: RVT)

Aus diesem Auszug aus einer Monatsschrift aus dem Jahre 1955 spricht noch ein wenig der Geist der alten Zeit, Einiges kann jedoch nach heute “transponiert” werden und obwohl ja schon lange Frauen im Verein trainierten, richtete sich dies hier offensichtlich (nur) an Männer. (Quelle: RVT)

Wieder Ruderstadt

Auch als Ruderstadt tat sich Trier wieder hervor. Nachdem auf dem Oberstau vor dem Schloss Monaise eine Regattastrecke samt Zielturm eingerichtet worden war, genehmigte der Stadtrat auch eines der neuartigen “Albano – Systeme”, das offensichtlich in Trier (deutschlandweit?) erstmals in fließendem Gewässer verankert wurde, wenn auch unter technischen Herausforderungen: so war die rede davon, dass die Bojen mitunter aus Metall waren und nicht unerheblichen Schaden am Bootsmaterial verursachen konnten. In den Jahren 1967 und 1968 wurden gleich drei Regatten auf dem Oberstau durchgeführt, wobei insbesondere bei der “Internationalen Trierer Regatta” – immerhin in der Hochphase des “kalten Krieges” – auch Mannschaften von der anderen Seite des “eisernen Vorhangs” starteten und dem RVT heute einige schöne Wimpel in der Sammlung bescheren. In Zeiten heutiger Massenmedien und Kommunikation hat es fast eine komische Note, dass die Stadt beriet, ob nicht auch eine größere Anzahl an Telefonzellen am Regattaplatz errichtet werden müsste, um der Presse zu ermöglichen, verzugslos die Ergebnisse dieses sportlichen Ereignisses in alle Welt kabeln zu können. Das Ganze wurde gestemmt vom “Mosel- Saar- Regattaverein” aus RVT, RGT und RC Saar unter Vorsitz des alten Treverers Jakob Meter. Und dennoch: wer heute den Aufwand der Organisation und Durchführung einer einzigen Regatta (samt technischer Hilfsmittel) kennt, muss vor den damaligen Ausrichterinnen und Ausrichtern den Hut ziehen. So tat Meter (er muss auf die 70 gegangen sein) schon damals kund, dass es nun Zeit für Jüngere sei. Es kam jedoch anders: Der Regattaverein starb langsam wieder aus. Damals jedoch träumte man von der Errichtung einer Bootshalle am Zielturm, deren Dach zugleich als Tribüne genutzt werden könnte, so zu lesen im TV vom 25.11.1967. Auch wurde im Jahr 1969 mit der feierlichen Übergabe eines neuen Clubraums, angrenzend an die Terasse des aten Bootshauses und mit roten Ledermöbeln bestückt, eine Phase erneuter längerer Umbauten beendet, die das Rudern einigermaßen beeinträchtigt hatten.

Nachdem Ernst Engert nach mehr als 20 Jahren vorbildlicher, ruhiger und der Jugend sehr zugetaner Vorsitzendentätigkeit verstorben war, übernahm Karl Grundheber dann auch 1970 den Posten des 1. Vorsitzenden. Als erfahrenem Kaufmann war es ihm daran gelegen, die wirtschaftliche Position der Vereins zu verbessern und dadurch mehr Sportbetrieb zu ermöglichen. Hinzu kam, dass die – im Verein heute als “Weißes Haus” bekannte – Baracke der Deutschen Bahn zwar dem Verein gehörte, nicht jedoch der Grund darunter, den der Eigentümer nicht verkaufen wollte: der Verlust dieser Halle stand an. Bis heute nutzen wir die Halle jedoch und sie war zu allen Zeiten Ort lebhafter Grillabende, samt der abschließenden “Neptunsgabe”, dem vielfach unbekleideten Löschen der leeren Grillschale in der Mosel. Zudem war der Schülerruderverein FWG nach dem Auszug aus dem Exzellenzhaus wieder bei der Treviris heimisch geworden. Nun trat man mit dem Mannesmann- Konzern in Kontakt, dem man auf der anderen Seite des Bootshauses Gelände abkaufen konnte: sogleich wurde mit der Errichtung einer zweiten Bootshalle begonnen. Eine weitere richtungweisende Maßnahme war der Erwerb des benachbarten ehemaligen Werftgeländes, das nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen als Campingplatz den Betrieb aufnahm. Sollte auch die Größe nach heutigen Maßstäben für einen Campingplatz mit allem Komfort nicht ausreichend gewesen sein, so schaffte sie doch dem Verein stets eine mehr oder weniger sichere Einnahmequelle. Auch die Vereinskneipe “Kranich” nahm, mit neuer vollautomatischer Kegelbahn, lebhaften Aufschwung.

Das alte Bootshaus war mitnichten zerstört, sondern wurde von den Erben Zangerle nach dem Krieg zum Wohnhaus umfunktioniert (Bild ganz links), es verfiel Ende der 1960er Jahre und wurde Anfang der 1970er auf Bitten der Bitburger Brauerei (verwandt mit Familie Zangerle) abgerissen. Neben dem Bau der Staustufe, aus der dortigen Sammlung verwertbaren Mülls wurden u.A. die Boote Staubschlucker und Schweißperle (hier bei ihrer Taufe durch den Steuermann des Biesdorf- Vierers, Zimmermann, 1961) beschafft, wurde auch die weitere Planung für ein Wassersportzentrum aufgenommen. (Quellen: Stadtarchiv, Taufe: RVT)

Die Luxemburgerstraße war – trotz des Ausbaus des Bootshauses – mitnichten ein Edelpflaster. Die Straßenprostitution florierte, sicher auch bedingt durch die Anwesenheit vieler Soldaten in den umliegenden Kasernen sowie dem Eurener Flugplatz. Die Politik vereitelte die Erweiterung der Bannmeile gegen Prostitution unter Hinweis auf Inverstoren, die man dann vergraulen werde. Das brachte weitere Freuden für die umliegenden Häuser und Betriebe mit sich: nicht nur, dass liebestolle und oft alkoholisierte Freier auch an normalen Wohnungen Dienstleistungen verlangten, es kam auch zu Gewalt und Verfall weiterer Gebäude, so dem Nachbargebäude des ehemaligen Bootshauses, das erst 1971 abgerissen wurde, nachdem dort eine Dame von ihrem “Aufpasser” erschossen wurde. Auch bewegte sich regelmäßig Militärgerät auf der Straße, einmal fiel eine Dose mit chemischem Kampfstoff von einem LKW der französischen Armee, die sich öffnete: Rötungen und Atemwegsbeschwerden bei der Anwohnerschaft waren die Folge. Eine Müllhalde zierte das heutige Messegelände. In Jedem Jahr gab es etwa 20 Verkehrstote auf der Luxemburger Straße, so etwa am 18.06.66, als sich nach einem Gewitterregen gleich 2 tödliche Unfälle ereigneten. Erstaunlich, dass die Treviris es doch schaffte, bald darauf erstmals Stützpunkt zu werden.

Ein Ausschnitt vom Anrudern 1962 zeigt Inge Böttger auf dem Schlag des Frauenvierers. Bilder des TV aus dem Juni 1966 zeigen die Mängel des damaligen Fahrzeugbaus: Beide Unfälle endeten tödlich.

Auch intern hatte man sich einigen Fragen zu stellen, so auf der JHV 1970, auf der die Frage nach der Bestückung der Musicbox im “Kranich” beantwortet werden musste. Unglaublich schlechte Musik war das, der “Kranich” jedoch genoss mehr und mehr Kultstatus. (Quellen: RVT (Böttger), Trierischer Volksfreund, RVT)

Die Regattastrecke bekam ein Albanosystem (Quelle: Stadtarchiv)

Stützpunkt und zweite sportliche Hochphase

Nicht nur wirtschaftlich ging es bergauf, auch sportlich bekam der Verein in der Breite neuen Aufschwung. Nachdem Trainer Arthur Schött sein Amt hatte aufgeben müssen, wurde die Lücke durch die Herren Irschfeld, Böttger und Morgen gefüllt, die den Übungsleiterschein erwarben – jedoch alle voll berufstätig waren. Zugleich waren diese und weitere Mitglieder auch Gast bei von der Werft Empacher veranstalteten mehrtägigen Bootsbauer- Lahrgängen gewesen, um die Bootstechnik besser zu verstehen.

Man hatte zugleich erkannt, dass weiterer sportlicher Erfolg nur durch konsequente Förderung des Kinder- und Jugendbereiches sichergestellt werden konnte. Um den Bootspark und auch die Infrastruktur der Krafthalle anzupassen, sprangen wiederum der Vorsitzende Grundheber und seine Söhne durch Übernahme der Kosten ein. Zudem gelang eine große strategische Leistung: aus dem in Trier erstmals angesiedelten Modellehrgang für Verwaltungssportlehrer der Olympiasieger Udo Hild als Trainer gewonnen werden konnte, war nicht nur Zufall sondern auch eine strategische Meisterleistung. Udo Hild (verstorben 2022) war nicht nur zwischenzeitlich Schlagmann des Deutschlandachters und Olympiateilnehmer, er hat mehrere Generationen Treviris- Ruderer geprägt und konnte dank ausgebildeter Kinderruderer in der Juniorenklasse aus dem Vollen schöpfen. Erstmals wieder bei einer DRV- Prüfungsregatta angetreten, legten insbesondere Vera und Joachim Walscheid sowie Uwe Hoffmann bei sechs Starts im Einer und Doppelzweier fünf Mal am Siegersteg an. Im Jahr 1973 wurde Vera Walscheid bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Essen Zweite. Ganze 59 Saisonsiege standen am Ende der Saison zu Buche. Wie zu sehen, hatte nach langjähriger erfolgreicher interner Förderung das Frauenrudern längst einen gleichwertigen Platz neben den Männern.

Nach dem erneut vorbildlichen Arbeitseinsatz vieler Mitglieder wurde die alte Werfthalle auf dem Campinggelände als Trainingshalle zur Wintersaison übernommen, freilich ohne Heizung oder sonstigen Komfort.